Gedanken

Wann lernen wir wieder hinzusehen?

3. Mai 2026

Eigentlich wollte ich diese Woche einen ganz anderen Blogbeitrag schreiben.

Etwas „Leichtes“. Etwas, das inspiriert. Vielleicht sogar etwas, das Lösungen anbietet.

Aber mir ist nichts eingefallen.

Nicht, weil ich nichts zu sagen hätte – sondern weil diese Woche etwas anderes so viel Raum eingenommen hat.

Traurigkeit. Schwere Gedanken. So viel Gewicht, dass alles andere keinen Platz mehr hatte.
Aber vielleicht geht es genau darum.

Nicht darum, immer das Richtige zu sagen oder darum, etwas „Gutes“ oder „Hilfreiches“ zu produzieren. Sondern darum, ehrlich zu sein.

Ich habe in den letzten Tagen viel darüber nachgedacht, wie viel Schmerz ein Mensch in sich tragen kann. Und wieviel Schmerz und Trauer überhaupt verarbeitet werden kann. 

Wie viel Selbstzerstörung manchmal dahintersteckt. Wieviel Ausweglosigkeit Menschen empfinden können, ohne zu zerbrechen. Ob da Gedanken sind wie: „Ich zerstöre mich lieber selbst, bevor es jemand anderes tut.“ Oder:  „Ich beende das lieber selbst, bevor es von außen kommt und noch mehr weh tut.“

Und man steht daneben. Hilflos. Ohne Worte, die wirklich ankommen. Ohne zu wissen, ob irgendetwas, das man sagt, überhaupt einen Platz findet im Herzen dieses Kindes, dieses Menschen.

Und gleichzeitig sehe ich, wie wir als Gesellschaft versuchen, das aufzufangen.

In Systemen. In Einrichtungen. In Strukturen.

Und ich sehe, dass Menschen in ihrem ganzen Wesen und Sein gar nicht wirklich gesehen werden. und deshalb das Ganze oft zum Scheitern verurteilt ist oder sich wie ein Trostpflaster auf einer zu großen Wunde anfühlt. 

Vielleicht ist genau das der Punkt.

Dass wir so oft versuchen, etwas zu reparieren, zu verbessern, zu verändern – statt einfach da zu sein. Wirklich da.

Ohne sofort eine Lösung zu brauchen. Ohne jemanden in eine Richtung drücken zu müssen.

Einfach ein Mensch, der einem anderen Menschen begegnet.

Ehrlich.
Unperfekt.

Und genau das könnte der Anfang von etwas anderem sein. Etwas echtem. Tragfähigen.

Dass wir wieder lernen, uns zu verbinden.

Wirklich zu sehen, was da ist.

Und es stehen zu lassen – ohne es sofort verändern zu wollen.

Vielleicht beginnt echte Veränderung genau da, wo wir aufhören, uns ständig verändern zu wollen.

Vielleicht werden Schmerzen leichter, wenn wir sie sehen, statt zu bekämpfen. 

Auf einem Bild hatte ich monatelang stehen: „Bedingungslose Liebe ist die vollkommene Annahme dessen, was ist.”

Akzeptanz. Annahme. von ALLEM was ist – ohne Unterteilung in „gut“ oder „schlecht“. 

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