Gedanken

Wo ist mein Zuhause?

17. Mai 2026

Als ich heute durch den Wald ging und diese feuchte Luft vom Regen roch, das glitzern der verblieben Tropfen in den ersten Sonnenstrahlen sah und den Gesang der Vögel wahr nahm, hörte ich das helle Rufen von Jungen Vögel und konnte ein Loch in einem Baum lokalisieren, aus dem es kam. Und mir kam der Gedanke. Dieser Baum ist -zumindest für eine Zeit- das Zuhause dieser kleinen Vögel. Aber was, wenn sie groß genug sind? Bleibt dann zumindest dieser Wald ihr zu Hause? Oder ziehen sie sogar noch weiter weg. Wo wird ihr zu Hause sein? Haben sie überhaupt ein konkretes?

Bei der Eiche, unter der ich später stand, war das eindeutiger. Dieser Baum war hier „geboren“ und gewachsen und würde hier auch sterben. An diesem einen Ort verharrt er sein Leben lang. Er übersteht bitterkalte Winter, trockene Sommer, Kriege, beherbergt Tiere und treibt doch jeden Frühling frische grüne Blätter und wirft seine Eicheln im Herbst in Fülle herab. Keiner kann erahnen, was er alles schon erlebt hat und wie es sich anfühlt, bis zum Tod immer nur dort zu bleiben.

Und wie ist es mit uns, wie ist es für uns Menschen? Ich muss nicht bleiben wie Bäume und doch brauche ich Wurzeln, denn sie geben mir Halt. Also stellt sich die Frage: wo/in was sind wir verwurzelt? Vögel können ziehen und auch beim Menschen sagt man, er bräuchte Flügel. Um sich zu erheben? Zu Ziehen? Wohin? 

Ich höre so oft: Ich bin Deutscher oder Italiener oder was auch immer, ich bin von der See, aus dem Osten, aus den Bergen. Ja und da liegen durchaus Wurzeln. Aber eine Gegend verändert sich. Wirtschaftlich, durch Kriege, Familien können zerbrechen. Ist unser zu Hause also wirklich da, wo unsere Familie ist, wir geboren wurden? 

Für manche Tiere ist die ganze Welt ein Zuhause und ich finde diese Vorstellung ehrlich gesagt sehr befreiend. 

Ich wurde mal gefragt, ob ich zu Hause, also meine Heimat nicht vermissen würde. Und ja, es gibt Dinge, die ich vermisse. Mentalität, Vertrautes, die Verbindung mit schönen Erinnerungen. Aber ich antwortete dieser Frau, dass mein zu Hause doch eher ich bin. Ich selbst, mein Herz. Meine Seele? Und inzwischen sage ich sogar: auch mein Körper. Denn den bewohne ich ja schließlich. 

Also ist unser zu Hause eher auch etwas Ortsunabhängiges, etwas ewigeres? 

Einen Ort kann ich jederzeit verlassen oder ihn wechseln. Auch in Beziehungen habe ich das erlebt. Nicht alles fühlt sich für immer wie zu Hause an. Menschen ändern sich, Beziehungen ändern sich, Umstände ändern sich. Und was bleibt dann? Dann bleibe nur ich. Und wer ist „ich“? Wer bin ich? Und wie erlebe ich mich, wie vertraut bin ich mit mir, wie wohl fühle ich mich in mir? Wie verkörpere ich mich?

Ich verliere mein Zuhause also irgendwie erst, wenn ich mich verliere. Wenn ich mich in mir nicht mehr zu Hause fühle. Erst dann wird es schwierig und eng. Dann erst spüre ich, worin bin ich verwurzelt? Wie tief sind meine Wurzel? Können sie mir Halt geben? Oder habe ich meine Wurzeln in Sand gegraben und werde beim Nächsten Sturm umgerissen und weiß nicht, wie mir geschieht und wer ich eigentlich bin?

Also wo sind meine Wurzeln? An einem Ort? In einer Beziehung? In Seelenfrieden? In Wahrheit? In Liebe? Und ist mein Zuhause ein Haus oder mein Herz? 

Und wenn du dir sicher bist, wer du bist, kannst du dich auch im Außen besser niederlassen und dich fragen: Wo kannst du sein, wie du bist? Oder wo gehörst du hin? Hier können wir dann beginnen Flügel zu nutzen. Wenn wir wissen, wer wir sind und was uns gut tut, braucht es manchmal einen anderen Ort, der uns zur Heimat werden kann, damit wir uns, unserem Wesen entsprechend, entfalten können. 

Ich habe mich diese letzte Woche mit (m)einem Glaubenssatz befasst. Er lässt sich tatsächlich in viele Einzelne unterteilen. Jedoch wurde mir schnell bewusst, dass es nicht nur ein Glaubenssatz ist, sondern dieser tatsächlich meinen Wert bestimmt und somit mein Fundament. Ich denke darüber nach, es mehrteilig (da es echt vielschichtig wurde) hier zu teilen. Denn wenn unser Wert unser Fundament ist, bestimmt er gleichzeitig, wer wir sind bzw. wer wir glauben zu sein. Und ein Zuhause braucht ja auch ein Fundament. Und besser, es ist ein Gutes und Liebevolles, sonst kommt man ja nicht gern nach Hause.

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