Gedanken

Nach welchen Erwartungen lebst du?!

26. Juli 2026

„Leiden entsteht, wenn du darauf bestehst, dass die Wirklichkeit anders sein sollte, als sie ist.“ (A. de Mello)

Sind es deine eigenen oder die deiner Eltern? Deines Partners, deiner Kinder oder die des Chefs oder der Gesellschaft? Was erwartest du von dir und was vom Leben? 

Hast du je darüber nachgedacht oder in dich hinein gehorcht?

Und: Wir dürfen auch fragen, woher diese Erwartungen eigentlich kommen. Sind es deine Eigenen? Sind es die, deiner Eltern oder die, deines Umfeldes, welches dich prägten?

Ich fragte mich neulich sogar, wie wir überhaupt dazu kommen, etwas zu erwarten. Denn stehen Erwartungen nicht immer im Zusammenhang mit etwas, was gar nicht in unserer Hand liegt? Alle Erwartungen, die ich an meine Kinder, an den Partner usw. habe, kann ich selbst nicht erfüllen. Ich muss also zwangsläufig “warten”, dass sie erfüllt werden. Sie liegen also gar nicht in meiner Hand. Und warum müssen oder sollten sie überhaupt erfüllt werden für mich? Damit es mir besser geht oder ich mich gut fühle? 

Aber machen wir damit nicht unser Glück oder unseren Gemütszustand abhängig von anderen? Und können uns dann nicht sogar als Opfer hinstellen und mit dem Finger zeigen und sagen “Wegen dir…”. Das wäre schon ziemlich schräg, oder?

Genauer betrachtet verlangen wir aber oft doch, dass das, was uns umgibt -seien es Menschen, Situationen, unsere Pläne, das Leben- unseren Erwartungen entsprechen soll und nicht dem “Zufall” überlassen werden darf. Wir hätten es vielleicht gern etwas kontrollierter und nicht völlig unerwartet. Aber können wir das Leben kontrollieren? Und sollte das eine unserer Aufgaben sein?

Wenn deine Erwartungen an das Leben nicht erfüllt werden, bist du dann enttäuscht, wenn es nicht so kam, wie du erwartet hast? Das wäre aber dann ein guter Moment aufzuwachen und die Wirklichkeit zu erkennen, denn wenn du ent-täuscht wurdest, ist die Täuschung jetzt vorbei.

Und wir tun uns dennoch so schwer damit. Können so schwer akzeptieren, dass die Dinge sind, wie sie sind und eben nicht unseren Erwartungen folgen. Das ist bitter. Aber so ist es doch nun mal. Nicht alles liegt in unseren Händen. Erwartungen sind eines davon.

Und wie ist es mit den Erwartungen an uns selbst? Mal angenommen, du hast die Erwartung an dich selbst, eine gute Mutter zu sein. Du gibst also dein Bestes, handelst nach bestem Wissen und Gewissen, aber dein Kind sieht das anders. Denn all das Gute (bzw. das was in deinen Augen “gut” erscheint), was du für es wünschst, will es vielleicht so gar nicht haben. Dann wirft sich ein schreiendes dreijähriges Kind auf den Boden und tobt oder ein Teenager wirft dir ein “Du hast doch überhaupt keine Ahnung” an den Kopf.

Was ist passiert?! Du hast dir Rat und Wissen geholt und versucht, alles gut zu machen und während du damit beschäftigt warst, lag eben dein Fokus genau auf dieser Beschäftigung. Und nicht auf dem Kind, nicht auf der Wirklichkeit (des Kindes). 

Unsere Erwartungen scheinen uns auch hier blind zu machen für die Wirklichkeit. Fast wie ein Schleier, der vor unseren Augen liegt. 

Wir sehen nicht hin. Wir haben Erwartungen, statt auf die Wirklichkeit zu schauen und werden blind. Diese Blindheit führt zu einer Menge unbewusster Handlungen und Worte, denn jetzt folgen wir einfach dem Bild, welches wir uns gemacht haben -in dem Fall mittels Erwartungen.

Mir kommt das jetzt, wo ich es niederschreibe so dumm und töricht vor. Aber mal ehrlich: Ist das nicht in vielerlei Hinsicht genau wie wir leben?! Nach einem Bild, das wir von der Welt haben. 

Wir erwarten, ein oder zwei mal im Jahr in den Urlaub fahren zu können. Wir erwarten, dass es Bananen im Supermarkt gibt und auch alles sonst, was ich für mein Essen daheim brauche. Wir erwarten das Gehalt am Ende des Monats. Wir erwarten Hilfe im Haushalt und auch, dass die Amazon-Bestellung am nächsten Tag da ist. Wir erwarten, dass jeder die Verkehrsregeln kennt und sich danach verhält. 

Wir bauen unser ganzes Leben rund um die verrücktesten Erwartungen und erwarten, dass es funktioniert. Solange sind wir auch glücklich – mehr oder weniger. Und wenn einige dieser Erwartungen plötzlich nicht mehr erfüllt werden? Wirst du dann wütend oder fährst aus der Haut? Schon ein bisschen, oder?

Als würde unser Wohlbefinden von Erwartungen abhängen? Und natürlich auch dem “Funktionieren” der Welt, nicht wahr? Das liegt zwar nicht in unserer Hand, aber es wäre schön, wenn alle so funktionieren, dass es uns gut gehen kann damit.

Und versteh mich nicht falsch! Erwartungen sind weder gut, noch schlecht. Sie sind außerdem weder richtig, noch falsch. Wir dürfen auf jeden Fall Erwartungen haben. Sie geben unserem Leben ja auch manchmal einen Rahmen. Aber nicht alle müssen sein.

Von daher: passen wir doch besser auf uns auf, damit wir uns nicht verlieren. Schauen wir doch einmal mehr, was wirklich in unserer Hand liegt, um dann unseren Fokus darauf zu richten. Uns öfter zu hinterfragen. Und uns auch zu fragen, wer wir wirklich sind – ohne diese Erwartungen! Das macht uns eventuell weniger fremdgesteuert und mehr eigenverantwortlich. Wir könnten uns somit auch wieder mehr lieben und respektieren. Wär das nicht gut? Ja, ich finde das gut. Und du vielleicht auch…

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