In vergangenen recht dunklen Tagen voller Verwirrung, Trauer und Hilflosigkeit. Da las ich in einem Brief meiner Tochter: “…Danke an Frau W. (eine Lehrerin) dafür, dass Sie mich nie verurteilt haben…”
Als ich diese Zeilen las, blieb für mich die Zeit kurz stehen. Wie oft habe ich wohl Verurteilungen oder Beurteilungen ausgesprochen, ohne es überhaupt zu bemerken? Wie oft habe ich geurteilt über Menschen, Situationen, über mich.
Dabei beruhen Beurteilungen doch zumeist auf Gedanken, die in unseren Köpfen entstanden. Durch das, was wir erlebt oder gehört haben. Sie beruhen auf den Verletzungen oder Verhärtungen, die wir mit uns tragen und die IN UNS entstanden durch Erlebtes.
Und dann sprechen wir diese – ohne darüber nachzudenken- über andere (oder und selbst) aus und erlauben, dass unsere Worte nun auch andere verletzen? Sind Verurteilungen nicht zumeist herablassende Bemerkungen, Schublade, in die wir Menschen stecken, Stempel, die wir aufdrücken?
Für mich fühlten sich diese Gedanken schrecklich an. Worte haben so viel Kraft, sie können vernichten.
Und genauso muss sich meine Tochter offenbar oft gefühlt haben. Wie gut muss es sich angefühlt haben, in der Gegenwart eines Menschen zu sein, der sie so genommen hat, wie sie eben gerade ist – mit all ihren Unzulänglichkeiten und Fehlern, mit all den schmerzlichen Zuständen oder verwirrenden Gedanken?! Wenn da jemand ist, der das aushalten kann und zu nehmen weiß.
Und wenn ich mir nur vorstelle, dass wir alle so jemanden haben -bei dem wir so sein können, wie wir eben gerade sind… Oder mir vorstelle, wir könnten solche Menschen sein -Menschen voller Annahme und Verständnis…Menschen, die Zuhören und Hinschauen.
Ich mag diese Vorstellung