Diese Frage beschäftigt mich immer wieder. Weil ich selbst Zeiten kenne, in denen ich mich nicht nur unsicher gefühlt habe – sondern wirklich wertlos. Nicht als abstrakter Gedanke, sondern ganz konkret. Zum Beispiel als meine Tochter zu mir gesagt hat, ich sei keine Mutter für sie. Oder als mein Mann mir gespiegelt hat, dass keine Liebe in mir sei.
Und schon viel früher, als ich als Kind immer wieder gehört habe, dass ich nichts richtig mache. Dass man mir alles sagen müsse. Oder gefragt wurde: Was läuft eigentlich falsch bei dir?
Solche Sätze verschwinden nicht einfach. Sie setzen sich fest. Und irgendwann beginnt man, sich selbst genau so zu sehen.
Oft knüpfen wir unseren Wert dann an äußere Dinge. An Entscheidungen, die wir getroffen oder verpasst haben. An das, was wir erreicht haben oder eben nicht. An unseren Beruf, unser Einkommen, unsere Beziehungen, unser Glück. Wir messen uns daran, ob wir „gut genug“ sind. Und nicht selten lautet das Urteil: Ich bin es nicht!
Wenn wir diesem Maßstab entsprechen, kann daraus sogar etwas Hochmütiges entstehen.
Wir fühlen uns wertvoll, weil wir „funktionieren“ oder „geliefert“ haben, etwas „leisten“.
Doch dieses Fundament ist recht instabil. Denn all das kann uns genommen werden.
Menschen können uns ablehnen. Beziehungen können zerbrechen. Wir können scheitern, unseren Job verlieren, jemand könnte besser oder begabter sein, als wir. Oder wir stellen fest, dass das, woran wir geglaubt haben, nicht trägt. Krankheit oder Unfall können uns unsere Gesundheit nehmen.
Und dann ?! Was bleibt dann von unserem Wert? Sind wir weniger wert, wenn uns all das entgleitet?! Wenn wir uns selbst nicht mehr für wertvoll halten und andere uns das vielleicht spiegeln?!
Und da erst wurde mir ein Stück weit bewusst, dass mein Wert dort nicht liegen kann. Sonst hätte ich keinen mehr.
Wenn wir ein Neugeborenes im Arm halten, zweifeln wir keinen Moment an seinem Wert.
Dieses Kind hat nichts geleistet. Es hat nichts erreicht, nichts bewiesen. Und trotzdem ist es vollkommen. Wertvoll. Richtig. Selbst wenn es die Hosen voll hat, uns Nächte lang wach hält oder einfach unzufrieden mit etwas ist und das lautstark mitteilt.
Warum gilt das für uns selbst so oft nicht mehr?
Wahrscheinlich, weil wir im Laufe unseres Lebens gelernt haben, unseren Wert zu verdienen, statt ihn als gegeben zu erkennen.
Aber was, wenn dieser ursprüngliche Wert nie verschwunden ist?
Was, wenn er auch dann noch da ist, wenn wir scheitern, wenn wir abgelehnt werden, wenn wir selbst an uns zweifeln?
Dann wären wir nicht wertvoll, weil wir etwas leisten. Sondern wir würden handeln, leben, entscheiden – aus einem Wert heraus, der längst in uns liegt. Und das wiederum würde auch unseren Blick auf andere verändern.
Vielleicht könnten wir beginnen, im Gegenüber mehr zu sehen als seine Fehler, seine Geschichte oder seine momentane Haltung.
Vielleicht könnten wir wieder etwas von dem erkennen, was wir bei einem Baby ganz selbstverständlich sehen: Würde. Wert. Unantastbarkeit.
In einer biblischen Perspektive wird dieser Gedanke noch radikaler. Dort heißt es: Du darfst kommen, so wie du bist. Nicht erst, wenn du besser geworden bist. Nicht erst, wenn du alles richtig gemacht hast. Der Wert wird nicht abgesprochen. Selbst dort nicht, wo Schuld oder Versagen sichtbar sind.
Das ist schwer zu glauben.
Gerade dann, wenn man selbst so oft das Gegenteil erfahren hat.
Aber wenn unser Wert nicht verhandelbar ist, nicht steigerbar, nicht verlierbar. Nicht abhängig davon, wie andere uns sehen. Sondern einfach da.
Dann beginnt die Veränderung genau dort. Nicht indem wir endlich „genug“ werden. Dann bin ich jetzt genau richtig und darf so sein. Und mein gegenüber auch.
Es ist also ok, dass ich jetzt so bin und es ist ok, dass du jetzt so bist, wie du bist. Und es ist ok, dass wir genau da stehen, wo wir gerade stehen.